Führungskräfte müssen nicht nur hinter sondern auch vor ihren Mitarbeiter stehen

Führungskräfte wünschen sich zu Recht die Loyalität ihrer Mitarbeiter. Loyalität der eigenen Mitarbeiter heißt dabei zum einen, auf die Entscheidungen der Führungskraft zu vertrauen und den Einsatz und die Arbeit der Führungskraft wert zu schätzen. Loyalität heißt auch, über Fehler und Versäumnisse der Führungskraft hinweg zu sehen. Loyalität zeigt sich schließlich auch darin, der Führungskraft bei Problemen zu helfen und im Zweifel auch die „Extrameile“ zu gehen, wenn es notwendig wird.


Doch die Führungskraft muss sich diese Loyalität auch verdienen. Sie darf nicht per se die Loyalität ihrer Mitarbeiter erwarten, auch wenn die meisten Führungskräfte diesbezüglich zunächst einen „Loyalitätsvorschuss“ bekommen, wenn sie ein neues Team übernehmen. Die Mitarbeiter schauen dann aber ganz genau hin, ob die Führungskraft diesen Loyalitätsvorschuss auch durch ihr konkretes Handeln rechtfertigt und bestätigt.


Wesentlich ist dabei – auch mit Blick auf das Thema einer wechselseitigen Loyalität in der Beziehung zwischen Führungskraft und Mitarbeiter – dass die Führungskraft auch ihren eigenen Mitarbeitern gegenüber loyal ist. Hier bedeutet Loyalität etwas anderes: Die Führungskraft ist dann gegenüber ihren Mitarbeitern loyal, wenn sie ihnen Wertschätzung entgegenbringt, den Sinn der Aufgaben und die Ziele des Bereiches erklärt und für Rahmenbedingungen sorgt, die es den Mitarbeitern ermöglichen, bestmögliche Arbeit zu erbringen. Hierdurch stellt sich die Führungskraft „hinter“ ihre Mitarbeiter.


Die Loyalität der Führungskraft zeigt sich aber vor allem dann, wenn den Mitarbeitern Fehler passieren und wenn diese Fehler vom Vorgesetzten der Führungskraft oder dessen Kollegen angesprochen werden. Hier muss sich die Führungskraft nicht mehr hinter, sondern vor ihre Mitarbeiter stellen und diese zunächst einmal grundsätzlich in Schutz nehmen. Die Loyalität kann sogar in vielen Fällen so weit gehen, dass der Vorgesetzte die Kritik und die Verantwortung selber annimmt und sich im Außenverhältnis vor seine Mitarbeiter stellt. Dies schließt natürlich keinesfalls aus, dass der Fehler oder ein Versäumnis intern zwischen Chef und Mitarbeiter angesprochen und aufgearbeitet wird. Nach außen aber steht der Chef vor seinen Mitarbeitern und schützt sie auf diese Weise.


Natürlich gibt es auch Grenzen der Loyalität. Verstoßen Mitarbeiter gegen Gesetze oder mit Vorsatz oder immer fahrlässig immer wieder gegen wichtige Regeln und Standards im Unternehmen, dass heißt „Loyalität“ nicht, dieses Verhalten beständig gut zu heißen oder gar zu entschuldigen. Unter Umständen sind harte Maßnahmen und Sanktionen erforderlich. Aber selbst dann wirken diese Sanktionen im Innenverhältnis zwischen Chef und Mitarbeiter und werden nicht auf offener Bühne zu Lasten der Mitarbeiter ausgetragen.


Wer sich als Führungskraft in diesem Sinne vor seine Mitarbeiter stellt und diese vor dem eigenen Chef oder anderen Abteilungen oder auch externen Geschäftspartnern in Schutz nimmt, der kann sich sicher sein, dass er diese gezeigte und damit bewiesene Loyalität von seinen Mitarbeitern um ein Vielfaches verstärkt auch zurück erhält.


Zum Thema der Loyalität gegenüber den eigenen Mitarbeitern daher heute die folgenden Fragen:


1. Was erwarte ich von meinen Mitarbeitern, wie sich deren Loyalität mir gegenüber zeigen soll?

2. Wie reagiere ich, wenn sich mein Chef über meine Mitarbeiter beklagen sollte?

3. Wie reagiere ich, wenn sich Kollegen aus anderen Abteilungen über meine Mitarbeiter beklagen sollten?

4. Wie reagieren meine Mitarbeiter, wenn ich einen Fehler mache?

5. Wo liegen für mich die Grenzen der Loyalität zu meinen Mitarbeitern?

Wie immer wünsche ich ein schönes Wochenende und viel Glück und Erfolg bei allem, was Sie tun.

Ihr / Euer Frank Bönning


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