Führungskräfte brauchen Humor – Sarkasmus, Ironie und Zynismus jedoch schaden

Zu guter Führung gehört auch Humor. Die Fähigkeit, angespannte Situationen durch Humor aufzulockern und sich durch Humor menschlich zu zeigen sollte jede Führungskraft für sich entdecken. Dazu gehört natürlich zuerst die Fähigkeit, Situationen angemessen zu erfassen und intuitiv und spontan zu entscheiden, ob Humor in der Situation helfen kann oder nicht. Humor zur falschen Zeit kann viel Schaden anrichten, wie ein Kanzlerkandidat im Sommer erfahren musste.


Natürlich ist Humor nur begrenzt „erlernbar“, doch meistens zeigen Führungskräfte den Humor nicht, weil sie es nicht könnten, sondern weil sie glauben, dass es ihrer Rolle als Führungskraft nicht angemessen sei. Manche befürchten sogar, man würde ihnen mangelnden Ernst und fehlenden Respekt vor der Position vorwerfen, wenn sie humorvoll sind.


Doch das Gegenteil ist der Fall. Zur Rolle der Führungskraft gehört für mich immer auch Humor. Jede Art von „gesundem“Humor ist hilfreich, solange er der Situation angemessen und nicht verletzend auf Kosten anderer geht. Selbst in der Krise oder bei ernsten Themen kann Humor befreiend und spannungslösend wirken und neue Energien und Ressourcen freisetzen. Zudem festigt gemeinsames Lachen die Beziehung, bringt Menschen zusammen und schafft gemeinsame aktivierende Erlebnisse, die auch über den Moment hinaus wirken. Humor ist auch ein Zeichen von Intelligenz, von Einfühlungsvermögen, von Kreativität und von Souveränität und macht uns im besten Sinne in der Führungsbeziehung „menschlich“.


Doch es gibt auch „ungesunden“ Humor und dieser ist leider viel zu oft in Unternehmen anzutreffen. Gemeint sind Ironie, Sarkasmus und Zynismus. Diese Formen des aus meiner Sicht ungesunden „Humors“ schaden massiv dem Unternehmen und der Unternehmenskultur und sorgen auf lange Sicht für ein vergiftetes Klima zwischen den Beteiligten.


Wo feine Ironie im richtigen Moment vielleicht noch hilfreich sein kann, Punkte zu betonen, zu unterstreichen und Meinungen zu verstärken, beeinträchtigt ständige Ironie – insbesondere wenn sie als Ironie irgendwann nicht mehr erkennbar ist – massiv die Beziehungsebene und kann in der Führungsbeziehung massiv verletzend sein.


Noch schlimmer wird es, wenn beständig Sarkasmus oder sogar Zynismus in die Kommunikation Einzug halten. Sarkasmus und Zynismus des Chefs wirken ansteckend und werden gerne von Kollegen und Mitarbeiter kopiert. Was im ersten Moment wie kontrollierter Humor rüberkommt entpuppt sich bei ständiger Wiederholung als verdecktes Offenbaren ansonsten unterdrückter Emotionen wie Ärger oder Wut und letztendlich das Herabsetzen und Geringschätzen von anderen. Wer sich über Mitarbeiter, Chefs, Kollegen, andere Abteilungen, das eigene Unternehmen oder bestimmte Vorgänge oder Projekte beständig sarkastisch oder zynisch äußert, traut sich in Wirklichkeit nicht, seine enttäuschten Erwartungen offen zu legen sondern will sie zynisch und sarkastisch überdecken und sich damit selber schützen.


Damit sich Zynismus und Sarkasmus nicht als feste Bestandteile der Unternehmenskultur etablieren, gilt es bei auffälliger Häufung sarkastischer oder zynischer Bemerkungen nachzufragen und klares Feedback zu geben, wie wenig hilfreich dieser Sarkasmus oder Zynismus ist. Am besten zeitnah und unter 4 Augen, sollte dem Mitarbeiter, Chef oder Kollegen offenbart werden, welche Beobachtung gemacht wird und wie dieser Zynismus oder Sarkasmus auf einen wirkt – nämlich alles andere als humorvoll sondern meist nervend, herabsetzend und wenig wertschätzend. Gleichzeitig sollte ernsthaft gefragt werden, was sich dahinter verbirgt und was passieren müsste, damit derjenige auf Sarkasmus und Zynismus wieder verzichten kann.


Zum Thema „gesunden“ und „ungesunden“ Humors in der Führungsbeziehung auch heute wieder 5 Fragen zur eigenen Reflektion:


1. Wie humorvoll nehmen mich die anderen wahr?

2. Wie geht es mir mit diesem Bild der anderen von mir in Sachen Humor?

3. Was hindert mich, „gesund“ humorvoll zu sein?

4. Wie gehe ich mit Zynismus und Sarkasmus in meinem Umfeld um?

5. Wann bin ich selbst zynisch oder sarkastisch und warum ist das so?


Wie immer wünsche ich ein schönes Wochenende und viel Glück und Erfolg bei allem, was Sie tun.

Ihr Frank Bönning

8 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen

Führungskräfte müssen auf den richtigen Aufgabenmix achten

Führungskräfte sind tagtäglich in den unterschiedlichsten Aufgaben befasst. Bei vielen Aufgaben sind sie fremdbestimmt oder die Aufgaben ergeben sich aus der Dringlichkeit des Tagesgeschäftes. Dabei s

Terminkalender brauchen Lücken

Führungskräfte sind in der Zusammenarbeit mit ihren Mitarbeiter, Kollegen, Chefs und Geschäftspartnern eng getaktet. Der Umstand, dass sich durch Corona persönliche Treffen in die virtuelle Welt verla