Führungskräfte sollten Emotionen ihrer Mitarbeiter nicht ausweichen – denn da spielt die Musik

Überall da, wo Menschen zusammentreffen sind auch immer Emotionen im Spiel. Viele Führungskräfte bemühen sich, diese Emotionen im beruflichen Alltag auszublenden. Manche sind sogar unangenehm berührt, wenn sie mit den Emotionen ihrer Mitarbeiter konfrontiert werden. Sie wünschen sich die Zusammenarbeit und die Betrachtung von Themen auf einer möglichst sachlichen und möglichst unemotionalen Ebene. Mit Emotionen wie Ärger oder auch Angst ihrer Mitarbeiter konfrontiert, sind sie oft hilflos und reagieren - wenn überhaupt - mit Allgemeinplätzen, die dem Mitarbeiter nicht nur nicht helfen sondern sogar noch mehr Schaden anrichten können.


Lässt ein Mitarbeiter seinen Ärger über das Verhalten eines seiner Kunden oder eines Kollegen aus einer anderen Abteilung heraus, helfen Sätze wie: „Jetzt nehmen Sie das doch nicht so persönlich!“ oder „Ich verstehe gar nicht, wie Sie sich über so eine Kleinigkeit aufregen können.“ sicher nicht weiter. Einem Mitarbeiter, der den Mut hat seiner Sorge oder Angst um einen wichtigen Kundenauftrag oder die wirtschaftliche Lage des Unternehmens Ausdruck zu verleihen ist mit einem „Alles wird gut!“ oder "Jetzt entspannen Sie sich mal!" auch nicht geholfen.


Kommen Emotionen ins Spiel sollte die Führungskraft im Gegenteil besonders aufmerksam werden, denn wenn Emotionen ins Spiel kommen, dann wird es interessant. Sie sollte diesen Emotionen nicht aus dem Weg gehen und schon gar nicht versuchen, diese mit Allgemeinplätzen vom Tisch zu nehmen. Emotionen sind wichtig und sie sind ein wichtiges Signal, das ein für den Mitarbeiter wichtiges, bewegendes Thema berührt ist.


Zuerst brauchen diese Emotionen Raum und Zeit. Emotionen wollen ausgesprochen werden. Es ist im zudem ein großer Vertrauensbeweis, wenn Mitarbeiter ihre Emotionen offen legen. Also nutzen Sie die Chance. Fragen Sie nach, was den Mitarbeiter umtreibt. Warum genau er sich ärgert oder um etwas sorgt und geben sie ihm das Gefühl, dass sie seine Emotionen ernst nehmen. So erfahren Sie auch wichtige Dinge über Ihren Mitarbeiter: Was ist ihm wichtig? Was bewegt ihn? Welche Haltung hat er zu bestimmten Themen?


Es ist auch keineswegs so, dass der Mitarbeiter sofort eine Lösung erwartet. Es reicht völlig aus, den Emotionen und der Sichtweise des Mitarbeiters erst einmal Raum zu geben und im Zweifel erst zu einem späteren Zeitpunkt, wenn sich der Mitarbeiter beruhigt hat, darauf zu sprechen zu kommen, ob überhaupt und was denn zu tun sei. Zudem sollte der Chef Verständnis zeigen und im Idealfall auch auf seine Emotionen zu dem Thema zu sprechen kommen. „Ich kann Ihren Ärger verstehen, mir ist so etwas ähnliches auch schon einmal passiert.“ Oder „Ich kann nachvollziehen, dass Sie sich Sorgen machen. Mir ist auch nicht wohl dabei, aber ich glaube dass…“. Geeignet auf Emotionen der eigenen Mitarbeiter zu reagieren festigt die Beziehung zwischen Chef und Mitarbeiter und hebt die Zusammenarbeit auf eine ganz andere, nämlich menschliche Ebene, auf der Emotionen unbedingt dazu gehören. Grundvoraussetzung ist allerdings, dass die Führungskraft über eine gewisse emotionale Intelligenz verfügt und überhaupt in der Lage ist, die Emotionen der Mitarbeiter oder auch beim Chef oder den Kollegen wahrzunehmen, auch wenn sie noch nicht völlig an die Oberfläche treten oder sogar versucht wird, diese zu verbergen. Hier sollten sogar aktiv nachgefragt werden: "Ich merke, dass Sie etwas ärgert. Was ist los?" oder "Sie scheinen mir irgendwie besorgt. Was treibt sie um?" Diese emotionale Intelligenz und der Mut, Emotionen offen anzusprechen, ist es am Ende das, was eine sehr gute Führungskräfte ausmacht.


Zur Frage, wie Sie persönlich im mit Emotionen umgehen heute die folgenden Fragen:


1. Wie reagiere ich auf offen gezeigten Emotionen meiner Mitarbeiter?

2. Wie fühle ich mich selber dabei, wenn ich emotionalen Mitarbeitern begegne?

3. Wie viel Raum gebe ich den Emotionen meiner Mitarbeiter gehört zu werden?

4. In welchem Umfang nehme ich Emotionen bei anderen wahr, wenn sie noch nicht offensichtlich sind und wie gehe ich damit um?

5. In welchem Umfang zeige ich selbst meine Emotionen?

Wie immer wünsche ich ein schönes Wochenende und viel Glück und Erfolg bei allem, was Ihr tut.


Euer / Ihr Frank Bönning





14 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen

Führungskräfte sehen sich oft zu sehr in der Experten-Rolle

Viele Führungskräfte definieren sich vor allem über ihre fachlichen Kompetenzen und gewinnen auch daraus ihre Autorität. Sie sich in der Rolle des "Ersten Experten" in ihrem Verantwortungsbereich. Die

Führungskräfte brauchen klare Ich-Botschaften

Führen heißt kommunizieren und sehr gut zu führen, heißt erst Recht, sehr gut kommunizieren zu können. Eine Technik, die dabei in vielen Situationen sehr zielführend ist, ist es, in der Führung mit kl