• Frank Bönning

Führungskräfte müssen auf das System achten, in dem sie sich bewegen

Unternehmen sind soziale Systeme, in denen Menschen in vielfältiger Art und Weise miteinander interagieren. Vielen Führungskräften ist diese Einbettung in ein Gesamt-System nicht immer bewusst. Sie konzentrieren sich oft ganz auf ihre persönliche Sichtweise und ihre unmittelbaren Interaktionen im direkten Umfeld. Dabei müssen sie sich klar machen, dass jede Aktion, jedes Handeln, jede Veränderung Reaktionen im umgebenden System auslöst.

Viele Führungskräfte kommen ins Coaching mit dem Wunsch nach Veränderung. Da Coaching für mich immer mit dem festen Glauben in die Selbststeuerungs- und Selbstlösungsfähigkeiten des Klienten verbunden ist, konzentrieren wir uns bei den Veränderungen ganz darauf, was die Führungskraft selber tun kann, um die Veränderung herbeizuführen. Dabei ist wichtig, die möglichen Folgen der Veränderung auf das Gesamtsystem der Führungskraft zu betrachten, denn natürlich wird das System – also alle Menschen im Umfeld der Führungskraft – die Veränderungen früher oder später wahrnehmen und darauf in irgendeiner Weise reagieren.

In einem 1. Schritt schafft der Klient zunächst Transparenz zu seinem System. Methodisch gehen wir so vor, das der Klient alle in seinem beruflichen Umfeld wichtigen Personen (Chef, Mitarbeiter, Kollegen, wer sonst noch wichtig ist) jeweils auf eine einzelne Karte schreibt und dann die Karten – also Personen – auf dem Tisch so anordnet, das für ihn das aktuelle berufliche System, also der Ist-Zustand aus der Draufsicht zutreffend abgebildet ist. Natürlich gehört der Klient selber auch zu diesem System und schreibt auch für sich eine eigene Karte, die er im System platziert. Schon aus dieser Anordnung kann der Klient wichtige Erkenntnisse zu seinem Umfeld gewinnen. Welchen Personen stehe ich sehr nahe? Welche Personen sind weit von mir weg? Wie nahe stehen sich andere Personen in meinem System?


Dann lasse ich den Klienten die von ihm gewünschte Änderung auf eine Karte schreiben und bitte ihn, diese Karte jeweils neben die einzelnen Personenkarten im System zu legen und die Frage zu beantworten: „Wie wird diese Person auf meine angestrebte Veränderung reagieren und wie geht es mir damit?“

Damit wird sichergestellt, das mögliche Reaktionen des Systems nicht als „blinder Fleck“ im Coaching übersehen werden, denn spätestens in der Realität wird es zu Reaktionen im System kommen und da hilft es, diese vorher gedanklich durch zu spielen. Zudem kann der Klient für sich feststellen, ob die von ihm angestrebte Veränderung auch diesem „Stresstest“ möglicher Reaktionen seines Umfeldes gewachsen ist bzw. ob er davon ausgehen darf, dass seine angestrebte Veränderungen vom System bzw. den dort handelnden Personen unterstützt wird.


Bei Bedarf lassen sich die angestrebten Veränderungen in einem 2. Schritt auch auf die Auswirkungen im privaten Umfeld, also zum Beispiel die Familie, anwenden.

Unabhängig von einer solchen umfassenden Systembetrachtung im Rahmen eines Coachings lohnt es sich für jede Führungskraft, sich einmal die folgenden Fragen zu stellen. Gerne können Sie sich dabei auch „die Karten legen“ oder das System aufmalen:

1. Welche Personen gehören alle zu meinem beruflichen System?

2. Wie nah und wie fern sind mir diese Personen?

3. Welche Personen sind mir besonders wichtig?

4. Gibt es Personen, denen ich in meinem System näher oder ferner sein möchte?

5. Bezogen auf die nächste wichtige Entscheidung oder Veränderung von mir: Wie werden die einzelnen Personen in meinem System darauf reagieren?

Wie immer wünsche ich ein schönes Wochenende und viel Glück und Erfolg bei allem, was Sie tun.

Ihr / Euer

Frank Bönning

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