Die Phasen einer Krise brauchen unterschiedliche Management-Typen

Wer gutes Krisenmanagement betreiben will, sollte sich bewusst machen, dass Krisen verschiedene Phasen durchlaufen und dass in jeder Phase andere Management-Typen gefragt sind. Auch hier zeigt sich: Krisenmanagement ist Teamarbeit, denn keine Führungskraft kann in allen Phasen einer Krise gleich stark sein. Unternehmen, die erkennen, in welcher Phase sich eine Krise befindet und dann genau die Führungskräfte zum Einsatz bringen, deren Stärken in der jeweiligen Phase am wichtigsten sind, haben die größten Chancen, erfolgreich durch eine Krise zu steuern.

Doch welche Phasen einer Krise gibt es und welche Management-Typen sind gefragt?

Zunächst werden Krisen verstanden als "extern ausgelöste und unerwartete Impulse auf ein Unternehmen mit erheblichen negativen Auswirkungen bis hin zur Existenzbedrohung".

Phase 1 ist der „Schock“ und beschreibt die unmittelbaren ersten Momente der Krise. Die Schockphase ist sehr kurz und selten länger als 1-2 Tage. In dieser Phase ist Informations-management gefragt, denn das komplette Unternehmen wird aus einem stabilen Zustand heraus gerissen. Das Wichtigste ist: Informationsbeschaffung! Was genau ist passiert? Wann? Wer? Wo?


Jetzt sind "Macher" gefragt, die einen kühlen Kopf bewahren, im Hier und Jetzt agieren und entschlossen die ersten Maßnahmen angehen. Panik und überzogener Aktionismus sind in dieser Phase ebenso gefährlich wie das Verfallen in eine Schockstarre oder sogar das Verneinen einer Krise.

Unmittelbar an die Schockphase schließt Phase 2 an, bei der es um „Sofortmaßnahmen“ geht. Dabei liegt der Fokus auf nur zwei Zielen: „Blutung stillen!“ und „Problem eingrenzen“. Diese Phase ist vergleichbar mit dem Agieren des Notarztes an einer Unfallstelle. Unfallstelle absichern, damit nicht noch mehr passiert und die vitalen Funktionen der Beteiligten erhalten. Im Unternehmen ist in dieser Phase ebenfalls vor allem der „Macher“ gefragt, der schnelle Entscheidungen trifft, sich auf das unmittelbar Dringende konzentriert und die zu treffenden Maßnahmen schnell und konsequent durchsetzt. In dieser Phase muss aber auch ein anderer Management-Typ parallel zum Einsatz kommen – nämlich der „Stetige“, der verlässliche und empathische Managementtyp, denn in dieser Phase kommt es zu großen Ängsten und Sorgen der Mitarbeiter im Unternehmen. Hier braucht es einen kommunikationsstarken, Vertrauen erweckenden und die Ängste der Mitarbeiter aufnehmenden Manager. Es braucht den „Fels in der Brandung“. Krisenkommunikation wird in dieser Phase erstmals besonders wichtig, verbunden mit der klaren Botschaft, dass die Lage zwar ernst aber zu bewältigen ist.

Sind die ersten Sofortmaßnahmen umgesetzt und wurde Vertrauen in die Bewältigung der Krise im Unternehmen aufgebaut braucht es nun den „Analytiker“ denn nun folgt die Phase 3 Analyse & Maßnahmenplan“. Schnelles Handeln, teilweise aus dem Bauch heraus - in Phase 1 und 2 noch so wichtig - ist in dieser Phase nur begrenzt gefragt. Jetzt geht es darum die Krise, die Ursachen und die Auswirkungen auf das Unternehmen zu analysieren, messbar zu machen, zu strukturieren und Maßnahmenpläne zu erarbeiten.

Hier braucht es zum einen den geschäftserfahrenen Analytiker und gleichzeitig Teamplayer, denn nun gilt es das komplette Know-How und alle Bereiche des Unternehmens in die Krisenbewältigung einzubinden. Zum anderen aber braucht es auch den „Kreativen“ Management-Typ. Krisen bieten immer die Chance zur Veränderung und zur Verbesserung. In dieser Phase braucht es Managementtypen, die über den Tellerrand hinaus sehen und genau diese Chancen in der Krise erkennen, die andere mit ihren neuen – vielleicht auf den ersten Blick verrückten – Ideen mitreißen und begeistern können. In dieser Phase wird aus dem ersten lebensrettenden Reagieren der Phase 1 und 2 nun ein aktives Agieren, die neue Situation zu bewältigen und wieder in einen nachhaltig stabilen Zustand zu gelangen. Der „Stetige“ muss dabei weiter auf die Menschen hören und Zuversicht ausstrahlen und es ist strukturiertes Arbeiten gefragt, am Ende die verschiedenen Maßnahmen zu einem konsistenten und umsetzbaren Maßnahmenplan zu führen.

Dieser ist Voraussetzung für Phase 4 „Veränderung“. Jetzt geht es darum, die getroffenen Maßnahmen konsequent umzusetzen. Teilweise ist auch hier wieder der „Macher“ gefragt, der umsetzungsstark und wo notwendig schnell die Maßnahmen umsetzt. Der „Stetige“ erklärt in dieser Phase, wozu die Veränderungen erforderlich sind und wirbt für Vertrauen in den eingeschlagenen Weg. Der „Analytiker“ hält die Fäden zusammen und überprüft, ob die Maßnahmen die erwünschten Erfolge bringen. Der „Kreative“ gibt weiter neue Impulse und nutzt seine kommunikativen Fähigkeiten, die eigenen Mitarbeiter und Geschäftspartner von den neuen Ideen und den Veränderungen zu überzeugen.

Dabei bleibt die Situation dynamisch. Auf einen 1. Schock können weitere folgen, Rahmenbedingungen können sich sehr schnell ändern, Geschäftspartner könnten ebenfalls von der Krise betroffen sein und agieren ihrerseits unerwartet. Das gesamte Management-Team muss sich daher kontinuierlich austauschen, in welcher Krisen-Phase das Unternehmen jeweils gerade ist. Unter Umständen müssen die einzelnen Phasen mehrmals durchlaufen werden oder aus einer großen Krise, werden plötzlich mehrere kleine Krisen.

Bei konsequentem Handeln jedoch und Einbindung der richtigen Management-Typen in der jeweiligen Krisen-Phase hat das Unternehmen große Chancen, wieder einen neuen stabilen Zustand zu erreichen oder den alten stabilen Zustand wieder zurück zu gewinnen - mit anderen Worten: Die Krise erfolgreich zu bewältigen.

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