Alle Funktionen im Unternehmen sind gleich wichtig – Führungskräfte müssen dies vorleben

Unternehmen sind soziale Systeme, in denen Menschen arbeitsteilig kooperieren. Ziel dieser Kooperation ist es, den Kunden des Unternehmens Produkte und Dienstleistungen zu liefern bzw. bereit zu stellen und damit dauerhaft wirtschaftlich erfolgreich zu sein.


Nahezu alle Unternehmen organisieren sich dabei ab einer bestimmten Größe in verschiedenen Bereichen und Abteilungen, meist funktional organisiert. Marketing, Vertrieb, Einkauf, Produktion, Logistik, Buchhaltung, Controlling, Qualitätsmanagement, IT, Personal usw. leisten jeweils spezialisiert auf ihren Fachbereich ihren Beitrag, damit das Gesamt-Unternehmen erfolgreich ist.


Leider wird diese Gesamtverantwortung aller Funktionen für den Erfolg des Unternehmens in vielen Unternehmen bewusst oder unbewusst nicht gesehen bzw. es kommt zu einer Wertung, welcher Bereich wie wichtig für den Erfolg des Unternehmens ist.


Manche Bereiche sind sogar der Meinung, sie allein seien es, die das Geld „verdienen“, während andere Bereiche des Unternehmens nur „kosten“. Manche Bereiche fühlen sich gar durch andere Bereiche des Unternehmens in ihrer Arbeit „behindert“. Andere wiederum sehen andere Bereiche des Unternehmens als „Handlanger“, die nachgelagerte Arbeiten erledigen, die weniger wichtig seien als die eigene Arbeit. Passieren Fehler, wird gerne über andere Abteilungen geschimpft. In dezentralen Unternehmen wird über die Zentrale und in der Zentrale über die Niederlassungen vor Ort gestöhnt.


Dabei sind alle, wirklich alle Abteilungen und Bereiche eines Unternehmens - zentral wie dezentral - gleich wichtig für den Erfolg des Unternehmens. Diese Haltung, keine Abstriche bei der Arbeit einzelner Bereiche zu machen und allen Funktionen und Bereichen im Unternehmen auf Augenhöhe zu begegnen muss dabei insbesondere von Führungskräften vorgelebt und durch sie von ihren Mitarbeitern eingefordert werden.


In ihrer Vorbildfunktionen sind Führungskräfte besonders gefordert, sich nicht abwertend oder abfällig über andere Bereiche des Unternehmens zu äußern sondern deren Arbeit und deren Bedeutung für den Gesamterfolg wert zu schätzen. Mitarbeiter haben dafür ein feines Gehör, wenn eine Führungskraft wenig wertschätzend über „die vom Vertrieb“ oder „die in der Buchhaltung“ spricht und machen sich diese Haltung – bewusst oder unbewusst – selbst zu eigen. Ein Erfolgsfaktor sehr guter Teamarbeit ist nun einmal die wechselseitige Wertschätzung für den Beitrag eines jeden zu diesem Teamerfolg. Also braucht es auch Wertschätzung für die jeweils anderen Bereiche des Unternehmens, denn alle tragen zum Erfolg in gleichem Maße bei.


Neben der Wertschätzung, die eine Führungskraft den Führungskräften und Mitarbeitern anderer Abteilungen entgegenbringen sollte, kann die Führungskraft noch mehr tun. Sie kann zum Beispiel dafür sorgen, dass die Schnittstellen zwischen ihrem Bereich und anderen Bereichen optimal gestaltet werden. Sie kann dafür sorgen, dass wichtige Informationen für andere Bereiche schnellstmöglich an diese gelangen. Sie kann dafür sorgen, dass sie selbst und ihre Mitarbeiter über die wichtigsten Arbeitsinhalte und Themen anderer Abteilungen informiert sind. Sie kann dafür sorgen, dass es abteilungsübergreifende Kommunikationsformate zwischen den Bereichen gibt und die abteilungsübergreifende Netzwerkbildung fördern. Sie kann bei Problemen mit anderen Bereichen steuernd und lösungsorientiert eingreifen und die eigenen Mitarbeiter gezielt ansprechen, wenn diese sich abwertend gegenüber anderen Abteilungen äußern oder zeigen und klar ihre Erwartungen in diesem Thema formulieren.


All dies trägt dazu bei - vor allem, wenn es von allen Führungskräften des Unternehmens wechselseitig beherzigt wird - das sich ein gemeinsames „Wir-Gefühl“ der einzelnen Abteilungen entwickelt, welches über das gemeinsame Ziel – optimale Produkte und Leistungen für die Kunden des Unternehmens zu schaffen – definiert.


Zum Thema des wertschätzenden Umgangs mit allen Bereichen eines Unternehmens heute die folgenden fünf Fragen zur Reflektion:


1. Wie ist meine eigene Haltung zur Bedeutung der einzelnen Bereiche für den Erfolg des Unternehmens?

2. Was kann ich tun, den anderen Bereichen meine Wertschätzung für deren Arbeit zu zeigen?

3. Wie sehen meine Mitarbeiter die jeweils anderen Abteilungen?

4. Was kann ich tun, die Zusammenarbeit „auf Augenhöhe“ mit anderen Bereichen zu fördern?

5. Mit welchem Bereich in meinem Unternehmen möchte ich demnächst besonders gut zusammen arbeiten?


Wie immer wünsche ich viel Glück und Erfolg bei allem, was Sie tun.

Ihr Frank Bönning

6 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen

Viele Führungskräfte tappen immer wieder in die sogenannte „Annahmefalle“. In der „Annahmefalle“ ist die Führungskraft gelandet, wenn etwas schief geht und die Erklärung, warum etwas schief gelaufen i